Schon als Teenager wollte ich wissen, warum manche Computer ganz anders funktionieren als der gewöhnliche Windows-PC. Ich las Lovecraft, wollte eine Silicon-Graphics-Workstation wie aus Jurassic Park und ließ mich von Betriebssystemen faszinieren, die in meinem Freundeskreis kaum jemand kannte. Mein heutiger NixOS-Rechner heißt Cthulhu. Der Name ist viel älter als seine Hardware.

Warum mein Rechner Cthulhu heißt
Der Name kommt direkt aus H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos. Ich habe mehrere seiner Bücher gelesen. Schon als ich etwa 15 oder 16 war, hingen dazu Poster an meiner Wand: MTV, Jackass, Viva La Bam, gefärbte Haare – diese ganze Zeit eben. Das Motiv blieb. Mein Rechner heißt nachweislich seit meiner Linux-Mint-Zeit 2013 Cthulhu, wahrscheinlich sogar länger.
Das bedeutet nicht, dass seitdem dieselbe Kiste unter dem Tisch steht. Mainboards, Grafikkarten, Installationen und Gehäuse kamen und gingen. Cthulhu ist für mich ein mitwandernder Rechnername, genauso wie nebu mein Benutzername geblieben ist. Der Ryzen von heute ist nur die aktuelle Inkarnation.
1996: Slackware – und ich verstand erst einmal Bahnhof
Meine früheste Linux-Erinnerung führt ungefähr ins Jahr 1996 zu Slackware. Ich fand das fremdartige System spannend, aber Hand aufs Herz: Vieles war damals schlicht Bahnhof. Das ist kein Wunder. Eine Linux-Installation bedeutete deutlich mehr Handarbeit als bei modernen Desktop-Distributionen, und Hilfe gab es nicht in Form eines fertigen Video-Tutorials für jede Frage.
Entscheidend war etwas anderes: Linux war nicht Mainstream. Ich wollte wissen, was daran anders ist, warum nicht alle es benutzen und was man damit anstellen kann. Dass viele Distributionen kostenlos waren, machte das Ausprobieren zusätzlich attraktiv. Ich musste mich nicht für ein System entscheiden, um mich dafür zu interessieren.
Welcome to a different kind of PC login: nebu $ _Eigene Illustration einer textbasierten Konsole, ausdrücklich kein historischer Screenshot und kein originales Log. Die Slackware-3.1-Archive von 1996 dienen als Zeitreferenz, nicht als Beleg meiner genauen damaligen Version.

OS/2 Warp 4 als Geburtstagswunsch
Ein anderes Betriebssystem wollte ich einmal sogar ausdrücklich zum Geburtstag: IBM OS/2 Warp 4. Hatte ich anschließend viele Programme dafür? Nö. Liefen meine Spiele? Ebenfalls nö. Fand ich es trotzdem cool? Natürlich! Es ging mir um das Andersartige. Ich wollte sehen, wie sich eine andere Oberfläche anfühlt und welche Entscheidungen andere Entwickler treffen.
Auch SUSE kam irgendwann von einer Heft-CD. Solche CDs waren damals ein kleines Portal in andere Computerwelten: Man installierte oder startete etwas, weil es da war und weil man neugierig war. Nicht weil es für das eigene Lieblingsspiel objektiv besser geeignet war.
Jurassic Park: SGI? Ich will!
In Jurassic Park begeisterten mich nicht nur die Dinosaurier. Da standen diese ungewöhnlichen Silicon-Graphics-Workstations, mit einer futuristischen UNIX-Welt, wie man sie von normalen PCs nicht kannte. Die Hardware wollte ich haben – und die Oberfläche erst recht. SGIs IRIX und der bekannte 3D-Dateimanager fsn waren für mich später sogar Anlass, den Quellcode im Netz nachzusehen.
SGI-Hardware taucht heute gelegentlich auf eBay auf. Leider sind Preis, USA-Versand, Einfuhr und das Risiko eines ramponierten Pakets eine Kombination, bei der die Begeisterung kurz gegen den Geldbeutel verliert. Mein Jurassic-Park-Poster hängt übrigens noch immer an der Wand.
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Knoppix, Heft-CDs, Ubuntu und die Freiheit auszuprobieren
Knoppix fand ich besonders cool, um Linux anderen zu zeigen: Ein Live-System von CD starten, ohne erst deren Festplatte komplett umzubauen. Das allein wirkte schon wie Zauberei. Ubuntu fand ich früher ebenfalls gut; heute trifft es meinen Geschmack weniger. Debian, Arch und Gentoo dagegen mag ich bis heute aus jeweils anderen Gründen.

2013: Linux Mint und Windows für die LAN-Party
Um 2013 hieß mein Linux-Mint-Rechner bereits Cthulhu. Ich meine, dass damals möglicherweise ein AMD Athlon 64 X2 drinsteckte; das genaue Modell ist nicht mehr sicher. Windows war noch im Dual-Boot. Wenn Freunde zum LAN-Abend kamen, war ich der Einzige mit Linux. Counter-Strike, DOOM, Command & Conquer, Battlefield, Diablo und World of Warcraft waren unter Windows oft einfach unkomplizierter.
Ich mochte Linux deshalb nicht weniger. Ein Dual-Boot war eine praktische Entscheidung. Ich wollte spielen, wenn Besuch da war – und die übrige Zeit wissen, was mein anderes Betriebssystem konnte.

Nicht ein einziger Umstieg – viele Linux-Etappen
Es wäre falsch zu schreiben, ich hätte 2013 einmal Linux installiert und seitdem geradlinig Windows hinter mir gelassen. Dazwischen gab es Phasen mit nur Debian, nur Mint oder nur Arch, aber auch wieder Dual-Boot. Die dauerhafte Trennung kam später: Seit der auf meiner Museumsseite dokumentierten Gentoo-/XMonad-Installation gab es bei mir kein Windows und keinen Dual-Boot mehr als Alltagssystem.
Die damalige Corsair MP600 habe ich sogar mitsamt ihrer letzten Installation aufgehoben. Gentoo und XMonad booteten noch, als ich sie vor einigen Monaten erneut ausprobierte. Die davor genutzte Samsung 970 EVO bewahrt sogar noch eine ältere Windows-10-/Debian-Dual-Boot-Etappe. Solche Datenträger sind inzwischen ein Teil meiner eigenen Computergeschichte.

Vom Dual-Core zum modernen Ryzen
Auch Cthulhus Hardware entwickelte sich über Jahre. Die frühe AMD-Phase kann ich nur ungefähr zuordnen. Später lief eine Konfiguration aus Intel Core i7-7700K und MSI GeForce GTX 970 Gaming 4G. Danach wechselte ich auf den Ryzen 7 5800X3D und das Gigabyte B550 Vision D. DDR5 war mir damals den Plattformwechsel nicht wert; für WoW Classic ist der große 3D-Cache des Ryzen eine sehr gute Wahl. Dazu kam eine weiße RTX 3060 Ti, später die Radeon RX 9060 XT Hellhound Spectral White.
Heute hat Cthulhu 32 GB RAM, zwei Bildschirme (3440 × 1440 mit 144 Hz und 1920 × 1080 mit 60 Hz), eine NVMe fürs System, zwei SATA-SSDs für Spiele und eine zweite NVMe fürs Homelab. Mir geht es nicht darum, jedes Jahr die größte Zahl auf der Verpackung zu kaufen, sondern um einen Rechner, der zu meinen Aufgaben passt.
Interaktive Zeitleiste: dieselbe Neugier, andere Rechner
CTHULHU CHRONICLES / ZEITLEISTE
Jahre und Etappen filtern
- ca. 1996Slackware: erste Linux-Erinnerung. Vieles zunächst Bahnhof.
- 90er / Datum offenOS/2 Warp 4 als Geburtstagswunsch. Spaß an anderen Betriebssystemen.
- 2000er / keine genaue JahreszahlHeft-CDs mit SUSE, Knoppix zum Vorführen, Ubuntu ausprobiert. Keine erfundene Reihenfolge.
- mindestens 2013Cthulhu mit Linux Mint und Windows-Dual-Boot; Hardware vermutlich Athlon 64 X2.
- später / Datum offenIntel i7-7700K / GTX 970, anschließend Ryzen 5800X3D / RTX 3060 Ti, Gentoo / XMonad und endgültig Linux-only.
- 2026Arch / Sway als Experiment, anschließend NixOS / Plasma 6, RX 9060 XT und dokumentierter Arbeitsplatz.
Warum heute NixOS und Plasma – obwohl XMonad mein Favorit bleibt
XMonad ist mein Lieblings-Window-Manager. Sway wollte ich einfach mal testen. Arch, Gentoo und Debian mag ich alle. An NixOS gefällt mir, wie das System über eine deklarative configuration.nix beschrieben und reproduzierbar aufgebaut wird. Das ist wieder etwas anderes, das ich kennenlernen wollte.
Aber wenn ich mich nach zwei Tagen an den Rechner setze, mir einen Tee mache und ein Tutorial schreiben möchte, will ich nicht zuerst Updates studieren oder an der Statusleiste schrauben. Für Browser, GitHub, Bilder, Kdenlive und meine Website ist Plasma 6 einfach unkompliziert. Meine gewohnten XMonad- und Sway-Tastenkombinationen habe ich weitgehend in Plasma nachgebaut. Die Arbeitsweise bleibt; das Werkzeug ändert sich.

Der Rechner soll arbeiten – und neugierig machen
Heute benutze ich Cthulhu zum Schreiben, für meine Websites und Projekte, Videoarbeit, Softwareentwicklung und natürlich zum Spielen. Neue Dinge interessieren mich weiterhin: ungewöhnliche Linux-Systeme, alte UNIX-Workstations, Hardware, die man eigentlich nicht mehr bräuchte. Das ist kein Widerspruch zu einer praktischen Workstation.
Die weiße Radeon führte allerdings zu einer sehr eigenen Folgegeschichte: schwarze Monitore, aufheulende Lüfter und eine ausgedehnte Fehlersuche. Die passt nicht in einen kleinen Absatz und hat deshalb ihren eigenen technischen Artikel bekommen.
Bildquellen und historische Einordnung
Die Bilder der aktuellen Cthulhu-Hardware sowie die Gentoo- und NixOS-Screenshots stammen aus meinem eigenen Computer Museum. Die vier ausdrücklich gekennzeichneten Wikimedia-Commons-Beispielbilder sind nicht meine historischen Computeraufnahmen; Urheber und Lizenz stehen jeweils direkt darunter. Externe Bilder werden von Wikimedia Commons geladen; dabei entsteht eine Verbindung zu dessen Servern. Slackware 1996 wird nur schematisch illustriert, weil hier kein nachgewiesener Original-Screenshot meiner damaligen Installation vorliegt.
Weitere Quellen: Mein Cthulhu-Konfigurationsarchiv, Slackware-Archiv, Knoppix-Projekt, NixOS und die verlinkten Wikimedia-Commons-Dateiseiten. Die genaue Chronologie vor 2013 beruht ausdrücklich auf meiner Erinnerung.